Elektroplanung im Neubau: Raum für Raum
Stand: 10.2026
Es gibt eine Stunde im Hausbau, die über die nächsten dreißig Jahre Alltag entscheidet: der Rundgang mit dem Elektriker, bei dem jede Dose an die Wand gezeichnet wird. Danach wird geschlitzt, dann kommt der Putz, und jede Änderung heißt Staub, Dreck und eine zweite Rechnung.
Vorbereiten, bevor jemand kommt
Geh jeden Raum mit einem Möbelplan durch, nicht mit dem Grundriss allein. Ein Grundriss zeigt Wände, ein Möbelplan zeigt, wo du wirklich stehst, sitzt und arbeitest. Für jeden Raum notierst du:
- Wo steht welches Möbel, und welches Gerät steht darauf oder daneben?
- Von wo aus schaltest du das Licht ein, und wo willst du es wieder ausschalten?
- Welche Geräte kommen dazu, wenn Kinder größer werden oder du zu Hause arbeitest?
- Was hängt an der Wand: Fernseher, Lampen, Regale mit Beleuchtung?
Die Stellen, an denen später geflucht wird
- Hinter dem Bett. Zwei Steckdosen je Seite kosten jetzt fast nichts.
- Am Esstisch. Für Lampe, Laptop und Raclette. Der Tisch steht selten dort, wo der Elektriker die Dose vermutet.
- In der Küche. Arbeitsplatte, Dunstabzug, Kaffeemaschine, Insel: Hier hängt die Planung an der Küchenzeichnung. Ohne sie wird geraten.
- Im Flur und am Treppenhaus. Wechselschaltungen, damit niemand im Dunkeln steht.
- Draußen. Steckdose an der Terrasse, am Hauseingang und an der Garage. Ohne sie läuft irgendwann ein Kabel aus dem Kippfenster.
- Im Hauswirtschaftsraum. Waschmaschine, Trockner, Gefriertruhe und ein freier Anschluss für das, was noch kommt.
- Im Bad. Steckdose am Waschtisch, Anschluss für Spiegelbeleuchtung, gegebenenfalls für einen Handtuchheizkörper.
Leerrohre: die billigste Versicherung am Bau
Ein leeres Rohr kostet einen Bruchteil dessen, was ein späterer Kabelgraben oder ein Kabelkanal kostet. Sinnvoll sind Leerrohre:
- vom Verteiler zum Dach, wenn später eine Photovoltaikanlage dazukommt
- vom Verteiler zur Garage oder zum Stellplatz, für eine Wallbox
- in den Garten, für Licht, Pumpe oder ein Tor
- vom Verteiler in jedes Geschoss, für Netzwerk und das, was es in zehn Jahren gibt
Der Verteiler
Der Zählerschrank ist der Ort, an dem sich alles sammelt: Sicherungen, Netzwerk, Kommunikation, später vielleicht Speicher, Wallbox-Steuerung und die Technik der Wärmepumpe. Plane ihn großzügig und an einer Stelle, an der man herankommt. Ein zu kleiner Schrank ist der Grund, warum spätere Nachrüstungen an einer Wand enden, an der kein Platz mehr ist.
Beim Termin selbst
Nimm dir Zeit, geh mit und lass dir jede Position zeigen. Was angezeichnet ist, ist noch verhandelbar; was geschlitzt ist, nur noch mit Aufwand. Halte fest, was ihr vereinbart: Foto der angezeichneten Wand, dazu eine kurze Notiz. Zusätzliche Auslässe kosten Geld, deshalb gehört jeder Aufpreis schriftlich bestätigt, bevor gearbeitet wird. Wer Kabel selbst zieht oder Schlitze stemmt, spart Lohn, muss aber Zeit und Anleitung realistisch einplanen; was das für die Finanzierung heißt, steht unter Muskelhypothek.
Nach dem Schlitzen, vor dem Putz
Jetzt entsteht die Dokumentation, von der du Jahre später lebst: jede Wand einmal frontal, mit Maßband im Bild. Wie das geht und was sonst noch verschwindet, steht unter Fotos, bevor es verschwindet und in der Phase Rohinstallation.
In der App
Im Anschlussplan von BauZeuge markierst du Steckdosen, Schalter und Leitungen direkt auf dem Grundriss und nimmst den Plan mit auf die Baustelle. Der Bauablauf erinnert eine Woche vor dem Innenputz daran, jede Wand zu fotografieren, und legt die Bilder nach Raum ab. So findest du die Leitung auch in zehn Jahren wieder.
Häufige Fragen
Wie viele Steckdosen braucht ein Raum? So viele, wie Positionen da sind, an denen du Strom brauchst. Statt einer Faustzahl hilft der Möbelplan: Für jede Sitz-, Arbeits- und Geräteposition mindestens einen Auslass, im Zweifel eine Dose mehr.
Lohnt sich ein Smart-Home-System? Das ist eine Entscheidung über Komfort und Budget. Was sich immer lohnt, ist die Vorbereitung: Leerrohre, Platz im Verteiler und Leitungen zu den Schaltstellen. Damit bleibt jede Nachrüstung möglich.
Wer haftet, wenn eine Dose fehlt? Geschuldet ist, was vereinbart wurde. Deshalb zählt, was in der Baubeschreibung steht und was beim Rundgang schriftlich ergänzt wurde. Eine mündliche Zusage lässt sich später schwer beweisen.
BauZeuge-Redaktion. Sorgfältig recherchiert, alle Angaben ohne Gewähr.